If you can’t beat them, join them!


In der heutigen Ausgabe zeigt das Querdenk Magazin von consulteria, wie sich CNN und BBC mit dem “Feind” verbünden. consulteria berichtet einmal im Monat auf Werk Ost über clevere Business-Ideen und smarte Anregungen für erfolgreiche Startegien.


„Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen.“ Nach diesem englischen Sprichwort handeln auch die beiden Fernsehsender BBC und CNN,  indem sie auf neue technische Anforderungen und veränderte Sehgewohnheiten reagiert. Und verbünden sich ausgerechnet mit dem ganz großen Feind im Internet.

Seit 2007 stellt die BBC der Internetplattform YouTube aktuelle Informationssendungen und Clips aus dem Nachrichtenkanal BBC Worldwide, Ausschnitte aus Comedy-Sendungen und Dokumentarfilmen sowie speziell für YouTube produzierte Serien-Hintergrundstorys zur Verfügung. Und CNN nutzt das Portal sogar, um mit Zuschauern virtuelle Debatten zu führen.

Zwar ist es nicht das erste Mal, dass die BBC einer Internetplattform Ausschnitte der eigenen Formate überlässt – BBC Worldwide arbeitet schon seit längerer Zeit mit Yahoo zusammen -, aber einige Aspekte des YouTube-Abkommens sind neu und bemerkenswert: Zunächst ist da die Tatsache, dass YouTube eigens drei BBC-Kanäle einrichtet.

Die BBC hat dadurch neben der eigenen Webpräsenz permanente Standorte auf einer anderen Internet-Plattform. YouTube-typisch beschränkt sich das Angebot auf vielfältige, aber kurze Formate. Nicht die vollständige Sendung ist abrufbar, sondern Clips oder Sketche aus der Sendung: YouTube bleibt damit dem Häppchen treu, und die BBC ihren eigenen Plänen.

Viele der teils exklusiven Inhalte sind durchaus dazu gedacht, werblich für die eigenen Angebote zu wirken. So soll die Clip-Piraterie, bei der YouTube-Nutzer ungefragt und ungehindert Ausschnitte ins Netz stellten, gebändigt und auch für die BBC selbst profitabel gemacht werden.

Noch weiter geht der Sender CNN: Anlässlich der Kopenhagener Klimakonferenz rief der Sender seine Zuschauer auf, Fragen an die Teilnehmer der Konferenz zu stellen. Dazu konnten Interessierte sich selber dabei filmen, wie sie Kofi Annan, Roland Emmerich oder Arnold Schwarzenegger Fragen stellen. Diese wurden dann in der Konferenz in Form öffentlicher Debatten gezeigt, diskutiert und anschliessend von CNN auch im Fernsehen gezeigt.

Unter http://www.youtube.com/Cop15 wurde für die Klimakonferenz eigens ein Kanal eingerichtet, und mehrere tausend Zuschauer nahmen die Möglichkeit wahr, ein Video von sich mit Fragen zur Zukunft unseres Weltklimas hochzuladen.

Das Ziel der Sender: Zuschauergruppen erschließen oder halten, die sich zunehmend vom TV ab- und dem Internet zuwenden.

Zumindest BBC füttert aber nicht nur neue Zuschauer über die Kooperation an, sondern nutzt sie auch, um Geld zu verdienen: Neben dieser Appetizer-Funktion erfüllen zwei der drei neuen Kanäle aber auch eine Aufgabe, welche die offizielle BBC-Seite bisher nicht leisten kann: Auf den weltweiten Kanälen werden in begrenztem Umfang Werbung schalten, von der nicht nur YouTube, sondern auch die BBC als Anbieter von Inhalten profitiert.

Die BBC finanziert sich durch Gebühren und darf bisher weder auf ihren Fernsehkanälen noch im Internet Werbung zeigen. Die Werbebanner auf den YouTube-Kanälen werden daher für britische Internet-Nutzer nicht zu sehen sein. So umgeht die BBC elegant das Werbeverbot für den heimischen Markt.

So funktioniert das BBC/CNN-Prinzip

Die „alte Tante“ BBC sowie der CNN haben auf neue technische Anforderungen und veränderte Sehgewohnheiten reagiert, indem sie eigene Inhalte auf speziellen YouTube-Kanälen kostenfrei zur Verfügung stellt und die Zuschauer aktiv einladen, sich in das Programm einzubringen, indem sie Videos von sich zu aktuellen Fragen hochladen dürfen.

So macht man sich den vermeintlichen Feind zunutze und erschließt Kundengruppen, die sich zunehmend vom TV ab- und dem Internet zuwenden.

Wenn auch Sie vom BBC/CNN-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Mit wem könnten Sie zusammen arbeiten nach dem Motto „Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen“?
  • Wie können Sie mit Ihren Kunden in direkten Kontakt treten?
  • Welche modernen Medien können sie dafür nutzen?

Das ist auch noch lesenswert

BBC Worldwide bei YouTube

Der CNN-Kanal zur Weltklima-Konferenz in Kopenhagen bei Youtube

SPIEGELONLINE-Artikel über die BBC/YouTube-Kooperation