Innovative Elektroautos: Akkus tauschen statt laden


Der klassische Benzin-Motor in Autos hat ausgedient. Es wird Zeit für neue Energiekonzepte. Das Querdenk Magazin von consulteria zeigt wie Better Place mit innovativen Ansätzen neue Technologien und Märkte schafft. So können auch Sie von dieser cleveren Geschäftsidee profitieren.

Elektroautos sind bislang eher für kurze Fahrten interessant. Wer mit seinem strombetriebenen Fahrzeug lange Fahrten absolvieren will, muss nach dem derzeitigen Stand der Technik spätestens nach 200 Kilometern Strom nachtanken, der Akku ist leer. Der Ladevorgang an einer herkömmlichen Steckdose dauert aber etliche Stunden. Das Auto der Zukunft ist damit aber noch nicht wirklich wie ein herkömmliches Fahrzeug einsetzbar.

Das Problem

Better Place hat eine Lösung für dieses Problem und setzt sie sehr clever um. Das Unternehmen möchte der Tankwart des Elektro-Zeitalters werden.

Stundenlanges Laden, nur um kurze Strecken fahren zu können – so ist unser Bild vom Elektroauto. Die Technik der Zukunft ist noch nicht endgültig ausgereift. Autos müssen für lange Strecken einsetzbar sein, sonst bringt die größte Umweltfreundlichkeit nichts. Ein Unternehmen hat aber nun eine clevere Lösung entwickelt, die wie der gute alte Pferdewechsel an der Postkutschenstation funktioniert.

Die Lösung

Better Place möchte eine flächendeckende Infrastruktur für den Massenbetrieb von Elektroautos aufbauen. Sitz der am 29. Oktober 2007 von Ex-SAP-Manager Shai Agassi gegründeten Firma ist Palo Alto in Kalifornien.

Better Place geht zwar davon aus, dass viele Autobesitzer in Zukunft ihre Fahrzeuge über Nacht an der Steckdose aufladen werden. Für lange Fahrten aber bietet dieses Unternehmen automatisierte Servicestationen, an denen Fahrzeugbesitzer ihre Akkublöcke austauschen lassen können.

Der Kunde soll sein Elektroauto ohne Batterie von einem beliebigen Fahrzeughersteller kaufen können, im Moment ist Renault-Nissan der erste Partner. Der Akkumulator ist Eigentum von Better Place. Die für das Fahren benötigte Energie (Akku und Strom) wird von Better Place angeboten. Mit der Unterstützung einer ausgefeilten Software bezahlt der Kunde aber nur gefahrene Kilometer, wie bei einem Mobilfunk-Vertrag. Zudem wird die Batterie vom Autofahrer lediglich geleast.

Geplant sind Batterien mit einer Reichweite von ca. 160 km. Diese werden beim Kunden zuhause, am Arbeitsplatz oder auf öffentlichen Parkplätzen mit dafür errichteten Stationen aufgeladen. Für längere Strecken werden vollautomatische Akkumulatorwechsel-Stationen aufgebaut, in denen die erschöpfte Batterie automatisch durch eine geladene ersetzt wird.
Der Strom wird grundsätzlich umweltfreundlich aus Windkraftanlagen und Solarkraftwerken erzeugt.

An den Servicestationen arbeitet ein Robotersystem mit zwei Schlitten, die sich auf einem automatischen Schienensystem bewegen. Einer hält die geladene Batterie, während der andere die leere entfernt. Sie wandert automatisch in eine Ladevorrichtung und wird für den Einsatz im nächsten Fahrzeug vorbereitet. In nur 60 Sekunden wechselt die vollautomatische Station die Batterie eines dafür gerüsteten Elektroautos. Mit dem System soll die Ladezeit für Elektroautos minimiert werden.

Es funktioniert – der Praxistest

Mehrere Städte und Länder konnten bereits zur Realisierung der Firmenphilosophie überzeugt werden, dazu gehören Israel (Inbetriebnahme 2011), Dänemark und Japan (Feldversuch mit Batteriewechselstationen seit Mai 2009). In der Planungsphase befinden sich Hawaii, San Francisco Bay Area, Ontario und die Südostküste Australiens.

So funktioniert das Postkutschenstation-Prinzip

Better Place bietet eine intelligente Lösung des Problems, wie man mit dem Elektroauto als Auto der Zukunft auch lange Strecken fahren kann. Nach dem guten alten Postkutschenstation-Prinzip werden jetzt statt der Pferde die Batterien gewechselt. Außerdem hat Better Place auch andere Prinzipien clever kopiert. Der Kunde least eine Batterie und kann diese an den Servicestationen schnell gegen eine frisch geladene austauschen, wenn sie leer ist. Das ist wie bei den Gasflaschen für die Soda-Geräte in der Küche, für die man einmal eine Leihgebühr zahlt und dann immer nur die jeweilige neue Füllung. Das Bezahlsystem nach Verbrauch wurde dem Mobilfunk-System abgeschaut.

Wenn auch Sie vom Postkutschenstation-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich

  • Kann ich ein Netz von Ladestationen für wiederaufladbare Produkte aufbauen?
  • Für welche anderen Produkte außer Batterien und Druckerpatronen können sich Austauschstationen lohnen?
  • Welche Prinzipien aus völlig anderen Geschäftsfeldern kann ich für meinen Bereich kopieren?

Das ist auch noch lesenswert

Website Better Place
Better Place bei Wikipedia
Artikel über Better Place auf spiegel.de
Artikel über Better Place auf heise.de





Kommentare


  • 1. April 2011 | 14:02

    Schade, dass Elektroautos nur aufgrund der geringeren Reichweite nach wie vor die Alltagstauglichkeit abgesprochen wird. Für die meisten Menschen liegen 150-200 km Reichweiter am Tag deutlich über dem was sie wirklich verfahren. Gerade im Stadtverkehr bzw. bei kleineren Überlandfahrten ist das komplett ausreichend. Für Autobahnen etc. wäre dann natürlich ein Modell wie das von Better Place vorstellbar. Die Frage ist nur ob nicht, bis sich das etabliert hat schon die Reichweite der Batterien so weit verbessert hat, dass der Austausch hinfällig ist.

  • Lucas
    7. September 2011 | 15:26

    -Kann ich ein Netz von Ladestationen für wiederaufladbare Produkte aufbauen?-

    Natürlich kann man das. Genau das wird doch momentan in Deutschland ausgebaut. RWE; Q:CHARGE etc. pp. alle bieten sie Ladestationen an. Ob Stromanbieter-gebunden oder ungebunden steht dem Endverbraucher als Entscheidung dann zu.




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