Die neuen Wilden: Co-Working der digitalen Nomaden


Co-WorkingEigene Ideen verwirklichen, unabhängig sein, und das überall auf der Welt, nur nicht mit dem Chef im Nacken oder im muffigen Büro mit den langweiligen Kollegen. So oder so ähnlich könnte der Leitspruch einer neuen Generation von selbständigen Einzelkämpfern lauten, die sich digital vernetzen und dennoch mobil sind.

Als Holm Friebe und Sascha Lobo 2006 über die digitale Bohème schrieben, die in den Cafès der Großstädte herumlungern und Ihre Aufträge über das kostenlose W-LAN der Cafès erledigen, haben sie sicher noch nicht gewusst, in welche Richtung sich die Wissensarbeiter entwickeln werden.

Wir nennen es Arbeit” ist zum Glaubenssatz einer ganzen Generation von Freelancern geworden. Vielleicht lag es an der fehlenden Infrastruktur und starren Verträgen in Gemeinschaftsbüros, denen die “digitale Bohème” entfliehen wollte. Im Grunde klingt es ja ganz reizvoll, den Tag in einem Cafè zu verbringen, den Sonnenschein zu genießen und ganz nebenbei damit sein Geld zu verdienen.

Die neuen Wilden

Das Bild hat nur ein paar Makel. In dieser komfortablen Position sind die wenigsten Selbständigen. Die meisten von ihnen kämpfen jeden Monat neu ums Überleben, mit dem Gründungszuschuss oder Sozialgeld von der Arbeitsagentur. Das ist der Preis, den sie gern für die Freiheit und Selbstverwirklichung eintauschen.

Es geht nämlich nicht um das große Geld und die schicken Annehmlichkeiten des Lebens. Es geht um mehr. Es geht darum eigene Ideen zu entwickeln, an die man glaubt, für die man kämpft und die Freiheit sie sterben zu lassen, wenn man es für richtig hält.

Entscheidungen zu treffen kann schwer sein. Wenn man jedoch alle Entscheidungen vor sich selbst und nicht dem Chef im Büro rechtfertigen muss, verhält sich die Sache etwas anders. Man trägt Verantwortung für sein Handeln und seine eigenen Entscheidungen.

Es geht nicht um die Freiheit, auf den Wecker zu verzichten. Von Nichts kommt Nichts, lautet ein Sprichwort. Das haben die neuen Wilden längst verstanden. Die Freiheit bedeutet auch, mal 10 oder 14 Stunden am Stück an einer Sache zu arbeiten, für die man einsteht.

Neue Orte der Zusammenarbeit

Die große Chance dort zu arbeiten, wo man es für richtig hält, mit der entsprechenden Infrastruktur von Telefon, Fax, Drucker, Kopierer und Internet, da liegt das Potential. Diese Orte entstehen auf der ganzen Welt, von New York über Zürich bis Berlin. Man nennt diese Orte an denen sich die Selbständigen zum Arbeiten treffen Co-Working-Spaces, also einen Ort, an dem man zusammen arbeitet.

Meist sind das Bürohäuser, wie sie jeder kennt. Nur mit dem Unterschied, dass man sich tage- oder sogar stundenweise seinen Arbeitsplatz mieten kann.

Man könnte diese Orte des Co-Workings das Großraumbüro 2.0 nennen, möchte man es der digitalen Welt gleichsetzen. Der Unterschied zum Großraumbüro 1.0 ist gar nicht so groß. Den Geräuschpegel und dicke Luft gibt es ebenfalls. Nur gibt es einen riesigen Unterschied: jeder arbeitet für sich in seiner Verantwortung.

Co-Working als Chance

Man trifft sich, um gemeinsam zu arbeiten, in einer kreativen und ungezwungenen Atmosphäre. So entstehen neue Ideen, neue Verbindungen und ein ungeahntes Potential an Gleichgesinnten mit Know-How. Der Programmierer findet einen Designer oder Übersetzer direkt auf dem Stuhl am Nachbarplatz.

Co-Working-Spaces sind also mehr als ein Arbeitsplatz oder ein Gemeinschaftsbüro. Im Alltag steht das heute hier und morgen da wahrscheinlich weniger im Vordergrund, sondern eher die Möglichkeit, dass man es in die Tat umsetzen könnte. Vielmehr können sich die neuen Orte der Zusammenarbeit zu Hotspots für Innovation, Know-How und Kreativität einer Stadt entwickeln.

Jeder der nicht in seinem eigenen Büro in der Wohnung versauern möchte, dem empfehle ich das Co-Working einmal auszuprobieren. Sicher passt diese Arbeitsform nicht zu jedem Geschäft. Dennoch haben die neuen Orte der Zusammenarbeit eine Chance, denn sie bieten alle Vorteile eines Büros, eben nur ohne Chef und nervende Kollegen.

Fast jedes Haus bietet Tickets für lediglich einige Tage im Monat an. So bleiben Sie flexibel und können sich trotzdem aus der Isolation des eigenen Wohnungsbüros befreien.

Eine gute Übersicht zu den Co-Working-Spaces bietet die Internetseite hallenprojekt.de





Kommentare


  • 23. August 2010 | 19:54

    Ich habe heute ein wenig zum Thema recherchiert und mir scheint, dass Coworking gerade auch in internationaler Hinsicht eine super Bewegung ist, gerade wenn man normalerweise eher von zu Hause aus tätig oder unterwegs ist http://wp.me/puIlT-7N




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